Chronik der Heimatvereinigung Schiffenberg Ortsverein Hausen
(erstellt anl. des 75-jährigen Bestehens der Heimatvereinigung im Jahr 2006
verfasst von Irmtraud Wüst und Klaus-Dieter Schardt)
Schon immer fühlten sich die Bewohner des Dorfes Hausen dem Schiffenberg verbunden. Deshalb war es nicht verwunderlich, dass ein Mitbegründer, der 2. Vorsitzende, Herr Valentin Müller, in Hausen wohnte.
Seit der Gründung im Jahre 1929 bis zum Beginn des 2. Weltkrieges war der Ortsverein Hausen recht rege, so berichtete ein Giessener Zeitung 1937 von einer Jahreshauptversammlung, in deren Verlauf ein von der
Frau des Hausener Pfarrers, Ernst Steiner geschriebenes Theaterstück „Ruf der Heimat“ aufgeführt wurde. Seine Frau Helene und er schufen das bekannte Schiffenberglied „Der Rotdorn blüht auf dem Schiffenberg“,
das heute noch bei offiziellen Anlässen der Heimatvereinigung gerne gesungen wird.
Nach dem 2. Weltkrieg gründete sich die Heimatvereinigung neu. Den Vorsitz im Ortsverein Hausen übernahm der damalige Bürgermeister Heinrich Göbel. Im Jahre 1963 wurde Albert Schwarz zum Vorsitzenden gewählt.
Heinrich Göbel kandidierte aus Altersgründen nicht mehr. Unter Albert Schwarz erlebte der Ortsverein seine Blüte, so stieg die Mitgliederzahl auf über 300. Unter seiner Regie wurden viele Einrichtungen geschaffen,
die unsere Heimat noch liebenswerter machten und ihren Erholungswert erhöhten. So wurde, dem damaligen Trend folgend, eine Grillhütte errichtet. Auch kam das gesellige Leben im Verein nicht zu kurz.
Die Pflege der heimatlichen Landschaft und des Brauchtums hatte sich der Ortsverein auf die Fahne geschrieben. Es fanden regelmäßig Säuberungsaktionen in der Gemarkung statt.
Wanderungen und Vorträge brachte vielen Bürgern ihre Heimat näher.
Am Ende der 60-ziger - Anfang der 70-ziger Jahre errichteten die Heimatfreunde am Beckertswald unterhalb des Hausener Hochbehälters die bereits erwähnte Grillhütte. Bevor sie diesem Zweck zugeführt wurde,
diente sie an anderer Stelle als Kindergarten und Baubaracke. Im Laufe der Jahre wurde sie zu einem Freizeitzentrum für die Hausener Bevölkerung ausgebaut, so mauerte man einen Grill und errichtete einen Spielplatz
für unsere jüngsten Bürger. Viele Vereine und Bürger nutzten diesen herrlichen Ort, von dem „Hausen im Loch“ überblickt werden konnte, zu Vereinsfesten und Familienfeiern. Spaziergänger lud die Aussicht zum Verweilen ein.
1974 fand erstmals ein zweitägiges Waldfest statt, das zu einer jährlich wiederkehrenden Einrichtung wurde. Mit einem Kinderfest am Samstagnachmittag, an dem Kutschfahrten, Torwandschießen, Tauziehen etc. angeboten wurden,
begann die Veranstaltung. Abends wurde ein Sonnwendfeuer entfacht. Am nächsten Tag ging es mit einem Gottesdienst im Grünen weiter und nach vielen schönen Stunden mit Gesang und Tanz endete der Sonntag.
Höhepunkte des Vereinslebens waren die jährlich wiederkehrenden Veranstaltungen wie Frühjahrswanderung, Jahreshauptversammlung, Winterwanderung und im Herbst eine Ausflugsfahrt mit dem Reisebus in unsere hessische Heimat.
Auch die Teilnahme am Ortssporttag, dem Gauwandertag sowie Wanderungen zum „Tag des Sports“ in der Wieseckau, Brauereibesichtigung, Kegelausflüge und regelmäßige Stammtische prägten das Vereinsleben.
Natürlich war es auch erforderlich, die Anlagen zu erhalten. So fanden regelmäßige Arbeitseinsätze an der Schutzhütte statt und eine Vielzahl von Ruhebänken für müde Wanderer wurde in der Gemarkung aufgestellt.
Im Jahr 1986 konnte Hausen das 1100-jährige Bestehen des Ortes feiern. Im Rahmen dieser 1100-Jahr Feier wurde von der Heimatvereinigung ein Grenzgang organisiert, d. h. es wurden die Gemarkungsgrenzen der ehemaligen
selbständigen Gemeinde Hausen abgegangen. 180 Personen nahmen an dem Grenzgang und dem anschließenden gemeinsamen Mittagessen an der Schutzhütte teil.
Am letzten August-Sonntag fand ein historischer Festzug statt, an dem drei Gruppen des Ortsvereines teilnahmen. So wurde auf einem Motivwagen eine „Germanensiedlung am Limes“ mit Wasser- und Feuerstelle dargestellt.
Eine Fußgruppe hatte sich das Thema „Wir Hausener halfen den Schiffenberg bauen“ ausgesucht. Weiterhin wurde „Die letzte Schäferei in Hausen“ mit dem früher in Hausen ansässigen Schäfer Ferdinand Beck dargestellt.
Den Schäferwagen begleiteten lebende Schafe.
Als 1991 Albert Schwarz aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr für das Amt des 1. Vorsitzenden kandidierte, wurde Klaus-Dieter Schardt zum Vorsitzenden gewählt. Albert Schwarz war 28 Jahre Vorsitzender des
Ortsvereines Hausen und von 1997 bis 2001 auch Vorsitzender der Hauptvereinigung. Um seine Leistung für den Verein und die Heimat zu würdigen, ernannte ihn die Versammlung zum Ehrenvorsitzenden des Ortsvereins Hausen.
Nach dem Ausscheiden von Albert Schwarz fand in dem Vorstand ein Generationswechsel statt, auch engagierten sich mehr Frauen in der Vereinsführung. Die bewährten Aktivitäten und Angebote der Heimatvereinigung wurden in der
Tradition des vorangegangenen Vorstandes weitergeführt.
Im Sommer 1991 nahm eine Gruppe der Heimatvereinigung an den Festzügen anlässlich der 850-Jahr Feiern der Pohlheimer Stadtteile Garbenteich und Watzenborn-Steinberg mit einem Motivwagen „Germanen am Limes“ teil.
Im gleichen Jahr ereilte den Ortsverein ein Ereignis, das die ganze Kraft des Vorstandes erforderlich machte. Die Schutz- und Grillhütte brannte in der Nacht vom 20./21. Juli vollständig ab. Die Brandursache
wurde nie ermittelt. Der Vorstand machte es sich zur Aufgabe, eine neue Hütte am gleichen Ort zu erstellen. Dies war nicht einfach, da die alte Hütte noch zur Zeit der Gemeinde Hausen gebaut wurde und eine
behördliche Genehmigung nicht vorlag.
Nachdem sich der Vorstand auf einen Entwurf des Architekten Udo Schardt geeinigt hatte, begann die Phase der Genehmigung. Das Verfahren war mit vielen Hindernissen gespickt,
trotzdem gelang es dem Vorstand mit der Unterstützung der Stadt Pohlheim und den kommunalen Entscheidungsträgern eine Genehmigung zum Bau der Hütte zu erhalten. Mittlerweile schrieb man das Jahr 1995.
Nach einer Bauphase von nur drei Monaten konnte die neue Hütte im August des gleichen Jahres eingeweiht werden. Um die Arbeit in der Heimatvereinigung des ehemaligen langjährigen und mittlerweile verstorbenen
Vorsitzenden Albert Schwarz zu würdigen, erhielt die Hütte seinen Namen.
Das Einweihungsfest begann mit einem Gottesdienst unter Mitwirkung des ev. Kirchenchores Hausen und des Posaunenchores Grüningen. Den Gottesdienst gestaltete Pfarrer Heinrich Meißner.
Nach der Begrüßung und Namensgebung durch den 1. Vorsitzenden Klaus-Dieter Schardt, gratulierten zahlreiche Ehrengäste, wie 1. Stadtrat Walter Müller, Ortsvorsteher Karlheinz Müller, Vertreter der
Heimatvereinigung Schiffenberg Peter Weller und Hans J. Degen sowie der Ehrenvorsitzende der Hauptvereinigung Karl Brückel. Irmgard Schwarz bedankte sich bei den Verantwortlichen, dass man das Lebenswerk ihres
Mannes durch die Namensgebung würdigte. Für die Hausener Ortsvereine überbrachte die 1. Vorsitzende des TV Hausen, Barbara Aff, die Glückwünsche. Am Nachmittag wurde ein buntes Programm mit der Trachtengruppe Hausen,
den Wohrataler Musikanten und dem Gesangvereins Eintracht Hausen geboten. Für die jüngsten Gäste stand eine Hüpfburg zur Verfügung.
Nachdem die Hütte wieder aufgebaut war, nahm das Vereinsleben seinen gewohnten Gang mit den üblichen und schon viele Jahre praktizierten gesellschaftlichen und kulturellen Vereinsveranstaltungen.
Das 50-jährige Jubiläum des wiedergegründeten Ortsvereins im Jahre 1998 fand im Rahmen des Hüttenfestes am letzten Sonntag im Juni statt. Pfarrer Rüdiger Haug eröffnete die Jubiläumsfeierlichkeiten mit einem Gottesdienst.
Bürgermeister Karl-Heinz Schäfer und Ortsvorsteher Karlheinz Müller gratulierten dem Verein für die in der Vergangenheit geleistete Arbeit und brachten die Hoffnung zum Ausdruck, dass sich der Verein auch weiterhin
für die Belange der Heimat und ihre Menschen einsetzen werde. Günter Hardt , Vorsitzender des VdK Hausen, überbrachte die Grüße aller Vereine des Stadtteils Hausen. Der Ehrenvorsitzende der Heimatvereinigung Schiffenberg,
Karl Brückel, beglückwünschte den Verein im Namen der Hauptvereinigung.
Das Rahmenprogramm am Nachmittag gestaltete der Schulchor der Grundschule Hausen, der Gesangverein Eintracht Hausen und die Showtanzgruppe der Karnevalsabteilung des TV Hausen.
Wie bei schon vielen Veranstaltungen leistete die Trachtengruppe Hausen mit Gesang und Tanz einen aktiven Beitrag, um das Programm abzurunden.
Als Klaus-Dieter Schardt im Jahre 2001 nicht mehr kandidierte, wurde Irmtraud Wüst zur Vorsitzenden gewählt. Sie hat das Amt bis heute inne. Irmtraud Wüst, die Tochter von Albert Schwarz,
führt den Verein in der Tradition ihres Vaters weiter.
Im Vordergrund des Vereinslebens stehen weiterhin regelmäßig angebotene Wanderungen, das alljährliche Hüttenfest am letzten Juni-Sonntag, Teilnahme an der „Aktion Saubere Landschaft“ sowie Ausflugsfahrten
im September gemeinsam mit dem Obst- und Gartenbauverein, wie z. B. nach Gelnhausen mit einer historischen Stadtführung oder zu dem Grenzmuseum „Point Alpha“ in der Rhön.
Die Pflege der Geselligkeit spielt dabei eine große Rolle. Mit der Vereinsgemeinschaft, die mit dem TV Hausen, dem Gesangverein Eintracht Hausen und der Burschenschaft Veronika besteht, wird traditionsgemäß
am 4. Advent die Kinderbescherung im Bürgerhaus in Hausen ausgerichtet. Zweimal wurden auch Silvesterfeiern unter dem Motto „Jahrtausendwende“ (1999/2000) und „Eurovision“ (2001/2002) mit der
Vereinsgemeinschaft durchgeführt.
Im Jahre 2002 war ein Männerchor aus Worcester/Südafrika zu Gast bei dem Gesangverein „Eintracht“ Hausen. Das Hüttenfest, das zur Zeit des Besuches stattfand, war eine willkommene Gelegenheit,
den Besuchern des Festes etwas Besonderes zu bieten. Der südafrikanische Chor „Worcester Mannekor“ sang zum Gottesdienst und gab am Nachmittag gemeinsam mit dem Gesangverein ein Konzert, das viel Anklang bei den
Besuchern fand.
Auch wurde die Pflege der Beziehung innerhalb der Heimatvereinigung durch den Besuch einer Gruppe des Ortsvereines Leihgestern intensiviert.
Unser Mitglied Karl-Heinz Knaus führt die Heimatfreunde aus Leihgestern zu den historischen Stätten in unserem Ort und informierte sie über die Geschichte unseres Heimatdorfes.
Bei dem Gegenbesuch in Leihgestern konnten wir uns in dem dortigen Heimatmuseum ein Bild von dem dörflichen Leben an und um den Hüttenberg machen.
Nach wie vor engagiert sich die Heimatvereinigung in der Pflege unserer Landschaft. So hat sie als Mitglied im Landschaftspflegering eine Patenschaft für ein unterhalb des Kuhbergs zu pflegendes Grundstück übernommen.
Viele Aktivitäten, wie z. B. das Erstellen von Bänken, Reparatur und Erneuerung an den Spielgeräten und an der Schutzhütte stehen jährlich auf dem Programm.
Die Zahl der Mitglieder beläuft sich zurzeit auf 240.